Valerian
- eine kurze Zusammenfassung
von Andreas Knigge
Im
Jahr 1967 debütierten Pierre Christin (* 1938) und Jean-Claude Mézières (* 1938) mit der Science-Fiction-Serie Valérian in Pilote. Zwar verschwanden die Genre-Comics gerade aus dem Heft, aber da die Science Fiction als Literaturgattung in Frankreich zu dieser Zeit kaum existent war, galt das Thema als durchaus unkonventionell und fügte sich in den frischen Geist des Blattes ein. Christins Szenarios knüpfen zudem nicht etwa an klassische Space operas an, sondern sind phantasievoll verspielt, Mézières' Zeichnungen eher karikaturhaft statt, wie für das Genre üblich, martialisch. Das Konzept war für die damalige Zeit innovativ : In seinem ersten Abenteuer trifft Valerian auf seine zukünftige Partnerin Laureline, die ihm von nun an gleichberechtigt zur Seite steht. Dank ihrer unterschiedlichen Handlungskonzepte — Valerian ist eher rational und autoritätsver-pflichtet, Laureline vom Gefühl geleitet und einfallsreich — wird auch der Konflikt der Geschlechter zum regelmäßigen Thema der Serie, deren Grundidee der Raum-Zeit-Sprung ist, durch den die beiden Helden problemlos in andere Jahrhunderte und an andere Orte des Universums reisen können. Immer wieder geht es um Zeitmanipulationen, durch die die Gegenwart der Handlung, unsere Zukunft, verändert werden soll, und Abenteuer auf fernen Planeten dienen vor allem dazu, aktuelle Fragen unserer Gesellschaft phantasievoll zu reflektieren.
Mézières paßte seine Grafik dieser inhaltlichen Prämisse an, löste sich rasch von den Traditionen der gängigen Comics und entwickelte einen eigenständigen, freizügigen und erfindungsreichen Zeichenstil. Die grafische Raffinesse wird jedoch nie wie bei anderen Pilote-Zeichnern der siebziger Jahre zum Selbstzweck, sondern steht immer im Dienst der Erzählung. Christin und Mézières haben mit Valérian im Bereich der naturalistisch gezeichneten Comics etwas ähnliches ermöglicht, wie es zuvor schon Goscinny und Uderzo bei den humoristischen Comics gelungen war : Indem sie in ihrer Serie auf unterhaltsame und intelligente Weise kritische und philosophische Fragen reflektierten, erschlossen sie dem Medium ein neues Publikum und eröffneten einer großen Zahl von Autoren und Zeichnern neues Terrain.
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