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Une brève histoire de la science-fiction en Allemagne

Traduction de l'Allemand et notes de Thierry Schmidlin

Florian BREITSAMETER

nooSFere / © Florian Breitsameter, octobre 2001
 FRANCE 
Traductions disponibles

          Die Geschichte der Science Fiction in Deutschland
          — ein kurzer Überblick von Florian Breitsameter

          Die Geschichte der Science Fiction in Deutschland beginnt im Jahr 1897 mit der Veröffentlichung des Romans « Auf zwei Planeten » von Kurd Laßwitz (1848-1910). Der Mathematiklehrer und Doktor der Philosophie Kurd Laßwitz schuf mit diesem philosophisch angehauchten Roman eine der zu dieser Zeit bekanntesten Weltraumutopien. « Auf zwei Planeten » erschien bereits kurz nach seiner Erstveröffentlichung in Deutschland auch in anderen Ländern und erreichte bis 1930 (als der Roman in Deutschland verboten wurde) eine Gesamtauflage von 70.000 Exemplaren.
          Bemerkenswert ist dabei, daß Laßwitz, der eigentlich vor allem Wert auf die moralische Botschaft des Romans legte (und dessen Marsianer keine Feinde, sondern intelligente Wesen mit höherer Moral sind), auch beeindruckende technische Vorraussagen gelangen. Die im Roman beschriebene Weltraumstation hat die Form eines Speichenrades und ist einer der ersten in der Literatur erwähnten künstlichen Erdsatelliten. Nebenbei finden sich aber auch Wolkenkratzer, synthetische Stoffe, Solarzellen und Kabinenbahnen in diesem Werk.
          Obwohl « Auf zwei Planeten » der bekannteste Science Fiction-Roman von Kurd Laßwitz ist, war es doch nicht sein einziger. Auch « Aspira » (1906) und « Sternentau » (1909) sind durchaus heute noch lesenswert.

          Hans Dominik (1872-1945) war ein Schüler von Kurd Laßwitz, studierte später Maschinenbau und arbeitete später als Elektroingenieur (u.a. auch in den USA). Nach einer Arbeit als Ingenieur und Projektleiter machte sich Hans Dominik 1901 als Fachautor und Lokalreporter selbstständig. Ab 1907 schrieb er utopische Kurzgeschichten für eine Jugendzeitschrift, bevor 1922 mit « Die Macht der Drei » sein erster Science Fiction-Roman erschien.
          Hans Dominik erzählte naturwissenschaftlich geprägte Geschichten, in denen es vor allem um neue technische Entdeckungen und Forschungen ging. Obwohl Dominik weitgereist war und auch die mehrmals USA besucht hatte, waren in seinen Romanen die Helden meist deutsche Ingenieure und Wissenschaftler, die sich gegen Spionage und Feinde aus dem Ausland wehren mußten. Obwohl Dominik in Deutschland Millionenauflagen erzielte, war seine Bekanntheit im Ausland deshalb auch nur sehr gering.

          Autoren wie Franz Kafka (1883-1924), Leo Perutz (1882-1957) und Gustav Meyrink (1868-1932) interessierten sich nicht für technische Utopien, aber schufen — teilweise basierend auf klassischen Erzählungen — phantastische Werke, die auch heute noch den Leser zu faszinieren wissen und später viele Science Fiction-Autoren beeinflußten (vor allem das Werk von Philip K. Dick erinnert in vielen Punkten an diese Art der Phantastik). Die Beliebtheit der phantastischen Literatur in all ihren Ausprägungen in Deutschland und im deutschsprachigen Raum führte nach 1900 dazu, daß vereinzelt auch Romane entstanden, die man der Science Fiction zurechnen könnte. So schildert Franz Werfels (1890-1945) « Stern der Ungeborenen » als Utopie dieErde des Jahres 102.000. Vergessen sollte man auch nicht die Romanfassungen der Drehbücher von Thea von Harbou, der Frau von Fritz Lang, die als « Die Frau im Mond », « Metropolis » und « Die Insel der Unsterblichen » erschienen.

          Natürlich gab es zu dieser Zeit auch eine Vielzahl klassischer Utopien, die eine wunderbare Zukunft vorhersagten, vor den Folgen des Kommunismus warnten und meist rein politischer Natur waren. Aber auch der Nationalsozialismus benutzte die Literatur für seine Zwecke und es entstanden für den Massenmarkt Propagandageschichten, die ein blühendes deutsches Reich unter der Herrschaft der Arier im Jahr 2000 schilderten.

          Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Phantasten der deutschen Literatur entweder bereits tot, ermordet oder ausgewandert. Da außerdem viele Bücher verboten worden waren und während des Nazi-Regimes systematisch aus den Bibliotheken entfernt worden waren, waren sie auch einige Zeit der Leserschaft nicht mehr zugänglich.
          In den 50er Jahren wurden diese Meisterwerke von den Verlagen oftmals erst wieder mühsam für den deutschen Leser wiederentdeckt, während gleichzeitig eine Flut an Übersetzungen über den Markt hereinbrach. Preiswerte Heftchen mit Übersetzungen amerikanischen Pulp-Magazinen erzielten hohe Auflagen, da sie einfache und spannende Lektüre versprachen und für die Allgemeinheit erschwinglich waren. Da in der Zeit des Wiederaufbaus der Fünfziger Jahre Kritik sowieso nicht sehr gefragt waren, trafen die technischen Geschichten voller unkritischen Fortschrittsglaubens erst recht den Geschmack der Leser.

          Langsam begannen auch deutsche Autoren damit Kurzgeschichten in der Art der amerikanischen Science Fiction zu schreiben. Dabei wurden alle Traditionen der deutschen Phantastik und Utopie geflissentlich ignoriert und man bemühte sich statt dessen um möglichst genaue Kopien der aus den Übersetzungen bekannten Geschichten. Dies war allerdings nicht allein die Schuld der Autoren, sondern auch die der Herausgeber und Verlagslektoren. Science Fiction mußte zu dieser Zeit laut der Verlagsdoktrin einfach von einem englischsprachigen Autor stammen ! Es verwundert also nicht, daß der deutsche SF-Autor und Herausgeber Walter Ernsting, der damals selbst als Übersetzer arbeitete, seinen ersten eigenen Roman seinem Lektor unter dem Pseudonym Clark Darlton als vermeintliche Übersetzung unterjubeln mußte.

          Der Heftmarkt erreichte seine Blüte in den 50er und 60er Jahren. Eine Vielzahl von SF-Magazinen erschien zu dieser Zeit, und 1961 startete auch die wohl bekannteste und typisch deutsche Science Fiction-Serie « Perry Rhodan ». Die wöchentlich erscheinenden Romane wurden und werden auch heute noch von einem Autorenteam geschrieben. « Perry Rhodan » ist dabei mittlerweile längst zu einem für Außenstehende völlig unübersichtlichen SF-Epos angewachsen, daß immer wieder neue Ideen aus der Science Fiction aufsaugte und einbaute, sich dabei aber immer treu blieb und seinen eigenen Flair beibehielt. Diese Heftromane bieten flüssig und spannende geschriebene Weltraumabenteuer, die vor allem für eine gute Unterhaltung des Lesers sorgen sollen, aber nicht soviel Wert auf den literarischen Anspruch legen. Zahlreiche andere Verlage in Deutschland versuchten sich mit ähnlichen SF-Konzepten, diese Serien erreichten aber bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad und den Erfolg von « Perry Rhodan ».

          Mit der Einführung des Taschenbuchs änderte sich allmählich die Marktsituation. Die zuvor noch sehr erfolgreichen Heftreihen verschwanden langsam, während dafür einige Verlage eigenständige Taschenbuchreihen mit Science Fiction starteten. Am bekanntesten und erfolgreichsten war und ist dabei die SF-Reihe des Heyne-Verlags, die 1960 startete.

          Zu den wichtigsten Science Fiction-Autoren der 60er Jahre zählt der Österreicher Herbert W. Franke (1927-), dem es als einem der ersten Autoren der Nachkriegsgeschichte gelang sich von den amerikanischen Einflüssen etwas zu lösen und eine eigenständige Linie zu finden. Seine Romane und Geschichten spielten auf fremden Welten und erzählten von der Begegnung mit Außerirdischen, hatten aber dabei fast immer den Menschen und seine Entwicklung im Mittelpunkt. Sein wohl bester Roman ist « Das Gedankennetz » (1961), der von der Suche nach der Wirklichkeit und der Manipulation des Individuums erzählt. Herbert W. Franke war außerdem, teilweise zusammen mit Wolfgang Jeschke, auch zeitweise Herausgeber wichtiger SF-Reihen in Deutschland.
          Wolfgang Jeschke (1936-) ist nicht nur der Autor einiger hervorragender SF-Romane (« Der letzte Tag der Schöpfung », « Midas ») sondern seinem Kenntnisreichtum und seinen Bemühungen als Herausgeber ist es zu verdanken, daß die Science Fiction in Deutschland im Taschenbuch bekannt wurde und in sehr guter Qualität kontinuierlich erschien und erscheint.
          Nachdem in den 70er Jahren nur sehr wenig an eigenständiger deutscher SF außerhalb der bekannten Heftserien erschien, änderte sich dies schlagartig durch den Film « Krieg der Sterne » (Star Wars).

          Ende der 70er und Anfang der 80er Jahren kam es nämlich plötzlich zu einem SF-Boom in Deutschland. Das Interesse des Publikums an Science Fiction war erwacht, die Auflagen der Reihen stiegen an und die Veröffentlichungszahlen wuchsen. Damit waren aber auch die Veröffentlichungschancen für deutsche SF-Autoren gestiegen. Ehemalige Fans und Kritiker der trivialen Pulp-SF konnten jetzt selbst als Autoren veröffentlichen, oder gar als Herausgeber ihren Einfluß geltend machen. In dieser Zeit erschienen einige bemerkenswerte Romane von Autoren wie Uwe Anton, Thomas Ziegler, Horst Pukallus und Michael K. Iwoleit, doch ein dauerhafter Erfolg war ihnen leider nicht beschieden. Zu empfehlen sind Romane wie « Zeit der Stasis » (Anton & Ziegler), « Die Stimmen der Nacht » (Ziegler) und « Hinter den Mauern der Zeit » (Pukallus & Iwoleit).
          Bemerkenswert sind aber auch die Romane « Die Enkel der Raketenbauer » (1980) von Georg Zauner (1920-) und « Das Stahlmolekül » (1983) von Wilhelm Altendorf.
          Rainer Erler (1933-), der eigentlich vor allem als Fernsehregisseur sich mit Science Fiction beschäftigte (« Das blaue Palais »), schrieb auch Romane zu seinen Filmen.

          Der SF-Boom in Deutschland fand Mitte der 80er Jahre ein jähes Ende und viele neu entstandene SF-Reihen wurden wieder eingestellt, andere stark reduziert. Das Interesse der Leser an SF hatte ebenso plötzlich, wie es zuvor entstanden war, wieder nachgelassen und wandte sich jetzt verstärkt der Fantasy und dem Horror zu. Leider waren von den Sparmaßnahmen der Verlage bei den stagnierenden SF-Reihen vor allem die deutschen Autoren betroffen.

          Zu Beginn der 90er Jahre erschien deshalb nur noch wenig deutschsprachige SF in Westdeutschland. Autoren wie Gisbert Haefs, der neben Krimis auch immer wieder Science Fiction schrieb, gelang das Kunststück ihre Romane bei Verlagen unterzubringen, die eigentlich keine SF veröffentlichten. Die Qualität der Werke sprach für sich und überzeugte die Herausgeber, die doch eigentlich das Label « SF » wie der Teufel das Weihwasser scheuten. Andere Verlage, wie Suhrkamp, veröffentlichten weiter vereinzelt SF-Titel deutscher Autoren.

          Tatsächlich eroberte sich aber die deutsche SF ihren Platz in den nächsten Jahren fast unscheinbar und unerkannt zurück. Die Motive der SF waren ja längst zum Allgemeingut geworden und auch die Mainstream-Literatur bediente sich verstärkt aus dem Ideenpool der Science Fiction-Autoren. Darum war und ist es nicht verwunderlich, daß immer wieder Autoren hervorragende SF-Romane schrieben, ohne sich dessen überhaupt bewußt zu sein. « GO — Die Ökodiktatur » von Dirk C. Fleck gehört zu diesen Fällen, in denen der Autor eigentlich nur einen kritischen Belletristikroman schreiben wollte, und es doch ein beeindruckender Roman mit starken SF-Motiven wurde.

          Obwohl sich viele Autoren immer wieder an SF versuchten und dabei teilweise sehr außergewöhnliche Werke entstanden (vor allem Ady Henry Kiss schuf eine ganz eigene Form der SF), fehlten über viele Jahre hinweg Autoren, die sich nicht nur an der SF versuchten, sondern diesem Genre auch wirklich treu blieben.
          Nur ganz langsam änderte sich dies in den letzten Jahren, und es ist sicher auch dem Erfolg von Andreas Eschbach zu verdanken, der mit seinem « Jesus Video » bewies, daß man auch mit einem SF-Roman in Deutschland einen Bestseller landen kann. Marcus Hammerschmitt, Andreas Eschbach und Bernhard Kegel, um nur einige Namen zu nennen, fanden die Beachtung der deutschen Leser und belebten auch wieder das Bild der deutschen SF im In — und Ausland.
          Und neue Namen kamen in den letzten Jahren hinzu : Barbara Slawig, Myra Cakan, Hans-Dieter Klein und Matthias Robold, und auch neue, aufstrebende Talente wie Andreas Gruber, Frank W. Haubold und Michael Marrak.

          Das faszinierende dabei ist die Vielfalt der aktuellen deutschsprachigen SF und ihre gute, bis sehr hohe literarische Qualität. Es scheint so, als habe man endlich das große Erbe der Phantasten der 20er Jahre angetreten und dieses mit den SF-Einflüssen aus dem angloamerikanischen Raum zu etwas neuem verbunden.
          Die deutsche SF ist allerdings ein zwar aufblühendes, aber doch noch schwaches Pflänzchen. Noch sind die Auflagen der meisten Romane deutscher Autoren noch klein, und die Bekanntheit bei den Science Fiction Lesern in Deutschland noch begrenzt, da viele Verlage noch vor deutschen Autoren zurückschrecken. Doch die Situation scheint sich zu bessern. Warten wir also ab, was die Zukunft für uns noch bereithält !

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